Religion im Gefängnis. Umgang mit religiöser Diversität im Strafvollzug, 24.-27.11.2017

 

Wie in der Gesellschaft allgemein hat ein Großteil der Gefangenen im europäischen Straf­vollzug nicht mehr den religiösen und kulturellen Hintergrund der Mehrheits­bevölkerung. Überall in Europa haben christliche Gefängnisseelsorger der Traditionskirchen vermehrt mit Personen zu tun, die eine andere religiöse Herkunft haben, andere Sprachen sprechen und anders kulturell geprägt sind. Neue Seelsorgerinnen und Seelsorger verschiedener Religionen nehmen ihre Tätigkeit ehrenamtlich oder hauptamtlich im Gefängnis auf. Mit manchen Religionsgemeinschaften werden Verträge zur seelsorgerlichen Betreuung neu abgeschlossen. Die Richtlinien für den Umgang mit religiöser Diversität werden gegenwärtig in Österreich überarbeitet.

 

Die Tätigkeit der neuen Seelsorgerinnen und Seelsorger unterscheidet sich jedoch teilweise erheblich von der der christlichen Traditionskirchen. Manche stellen das individuelle Gespräch in den Vordergrund, andere sehen in der religiösen Anleitung und Information über rituelle Pflichten im Gefängnis ihre zentrale Aufgabe, wiederum andere verstehen Evangelisation und Missionierung als wichtigen Bereich ihrer Tätigkeit, während andere die Meditation ins Zentrum rücken.

 

Welche Formen der religiösen Betreuung sind gegenwärtig in Gefängnissen üblich? Welche Religionsgemeinschaften erhalten Zutritt zum Gefängnis und unter welchen Bedingungen können Sie arbeiten? Wie sieht die Vorbereitung und Qualifizierung, Zusammenarbeit mit Kollegen und mit den Anstalten aus? Wie sieht es mit der seelsorgerlichen Verschwiegenheit aus bei Religionen, die keinen christlichen Hintergrund des Beichtgeheimnisses und geistlicher Amtsverschwiegenheit haben? Inwieweit hat sich auch die Gefängnisseelsorge  der Traditionskirchen heute verändert? Wie verhält sich der Staat gegenüber Gruppen, die stark missionarischen Charakter haben? Hat der Staat  ein Interesse daran, dass Seelsorger de-radikalisierend wirken?

 

Zu diesem Fragekomplex findet vom 24.-27.11.2017 auf Einladung von Prof. Dr. Wolfram Reiss, der unmittelbar vor seinem Ruf zur Professur für Religionswissenschaft als Gefängnisseelsorger in einem Hochsicherheitsgefängnis in Deutschland tätig war, ein Workshop im Rahmen eines Seminars an der Evangelischen Fakultät der Universität Wien statt, in dem Gäste aus Schweden und Griechenland präsentieren, wie man diesen  Herausforderungen in den genannten Ländern begegnet. Dr. Triantafyllos Tranos ist Dozent für kulturelle und ästhetische Erziehung im Diavata-Gefängnis in Thessaloniki. Dr. Magnus Abrahamson ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche und als Seelsorger in einem Gefängnis bei Götheburg tätig. Der Vergleich zwischen Schweden, Griechenland und Österreich ist von besonderem Interesse, da diese Länder jeweils historisch von verschiedenen christlichen Konfessionen geprägt wurden. In Schweden war bis vor kurzem die Lutherische Kirche Staatsreligion, Österreich war über Jahrhunderte eine Festung der Katholischen Kirche und Träger der Gegenreformation, Griechenland ist bis heute sehr stark von der Orthodoxen Kirche geprägt.

 

Workshop 24.-26.11.2017

 

Studierende und aktive GefängnisseelsorgerInnen können an einem dreitägigen Workshop mit den Gastreferenten teilnehmen, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung angeboten wird und auf verschiedene Studiengänge anrechenbar ist (detaillierte Beschreibung im Online-Verzeichnis der Universität Wien unter LVA 020056). Offizielle Einschreibung bzw. Anmeldung über u:space bzw. persönliche Anmeldung über wolfram.reiss@univie.ac.at wird erbeten.

 

·         Termine: Fr 24.11.2017 18:30-21:00, Sa 25.11.2017, 9:00-18:00, So 26.11.2018, 13:00-18:00, Ort: HS 1, Schenkenstr. 8-10, 1010 Wien

 

·         Gastreferenten: Dr. Triantafyllos Tranos (Griechenland) ,
Dr. Magnus Abrahamson (Schweden)

 

Podiumsgespräch am 27.11.2017

 

Die Ergebnisse des Austauschs werden der Öffentlichkeit am 27.11.2018 in einem öffentlichen Podiumsgespräch präsentiert. Die  Referenten geben über die Gemeinsamkeiten und Differenzen im Umgang mit religiöser Diversität in den drei Ländern Auskunft und diskutieren über Herausforderungen im Strafvollzug. Das Podiumsgespräch wird gemeinsam veranstaltet vom Lehrstuhl für Religionswissenschaft der Evangelischen Universität, der Plattform „Religion and Transformation of Contemporary Society“ sowie der Evangelischen Akademie Wien.

 

·         Termin: Mo 27.11.2017, 18:30-20:00

 

·         Ort: HS 47, Hauptgebäude der Universität Wien, Universitätsstr. 1, 1010 Wien

 

·         Podiumsgespräch mit Dr. Triantafyllos Tranos (Griechenland) , Dr. Magnus Abrahamson (Schweden), Prof. Dr. Wolfram Reiss (Universität Wien, Österreich)

 

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